Ein persönlicher Nachruf für Wolfgang Hütten von Thomas Soszynski
Der plötzliche Tod von Wolfgang Hütten aus Beuren hat viele Menschen bewegt. Thomas Soszynski, ein früherer Arbeitskollege hat seine Gedanken in einem Nachruf niedergeschrieben:
Wolfgang Hütten ist nicht mehr unter uns. Ich gebe zu, es hat eine Zeit gedauert, bis ich diese Nachricht begreifen und richtig einordnen konnte. Insbesondere die Art und Weise, wie er von uns gegangen ist. Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen: Es passt zu ihm. Typisch Wolfgang zu sagen, wäre nicht richtig, aber es passt zu ihm, das trifft es doch ganz gut, so denke ich.
Es ist inzwischen mehr als dreißig Jahre her, als wir uns kennenlernten. Wolfgang wurde damals auf eigenen Wunsch vom Polizeipräsidium Frankfurt/Main aus dem Kriminaldauerdienst nach Thüringen versetzt. In Frankfurt hatte er zuletzt in der 2. Mordkommission seinen Dienst verrichtet. Nun war er bei uns angekommen, in der erst kurz zuvor gegründeten Polizeidirektion Nordhausen, damals noch am Pferdemarkt zu finden.
Längere Zeit saßen wir Schreibtisch an Schreibtisch und erarbeiteten im Stabsbereich Verbrechensbekämpfung Strategien Konzepte zur Kriminalitätsbekämpfung in Nordthüringen. Ein Schwerpunkt dabei waren Banküberfälle, die in dieser Zeit fast wöchentlich die Polizeidienststellen in den vier Landkreisen beschäftigten. Dabei waren Wolfgangs Erfahrungen, die er aus der Main-Metropole mitbrachte, sehr hilfreich.
Vom ersten Tag an lernte ich seine Offenheit, seine menschlichen Züge aber auch seine Witzigkeit zu schätzen. Immer war er für ein Späßchen zu haben. Unvergessen, wie er sich freute, wenn er mit einem neuen Kartentrick oder einem Zaubertrick aufwarten und die Menschen um sich herum zum Staunen bringen konnte. In geselliger Runde lief er dabei schnell zur Höchstform auf.
Eine weitere große Leidenschaft, die uns rasch verband, war die Sammelleidenschaft. Allerdings war sie bei Wolfgang weitaus deutlicher ausgeprägt, als bei mir. Münzen, Briefmarken, alte Zeitungen, Bücher und Schriftstücke oder Uniformteile zogen Wolfgang sofort in ihren Bann.
Diese Leidenschaft führte unter anderem auch dazu, dass wir in unserer Dienststelle im Laufe der Jahre zwei Sonderausstellungen mit Fahndungsplakaten aus fünf Jahrzehnten aufbauen und der Öffentlichkeit zugängig machen konnten. Wolfgang hatte sie in seiner Frankfurter Zeit zusammengetragen und inzwischen hier in Thüringen ergänzt.
Da die reine Stabsarbeit, das Wirken am Schreibtisch nicht die wahre Erfüllung für Wolfgang war, zog es ihn bei jeder passenden Gelegenheit raus zu den Tatorten oder zu den Kollegen in den sachbearbeitenden Dienststellen.
Wolfgang gehörte von Anfang an nicht zu jenen, die Kariere machen wollten. Er wollte einfach nur arbeiten. Als Polizist im Allgemeinen und als Kriminalist im Besonderen. Das führte dazu, dass er in den Folgejahren in den Dienststellen unserer Direktion verschiedene Funktionen in verantwortlicher Position übernahm.
Ich selbst war inzwischen Pressesprecher geworden und viel in unseren vier Landkreisen unterwegs. Wenn sich die Gelegenheit bot, kehrte ich immer wieder gern im Büro bei Wolfgang ein, weil ich wusste, dass es dort einen guten Kaffee gab und er sich freute auf den neusten Stand gebracht zu werden oder ein Schwätzchen über vergangene Zeiten zu halten.
So war es auch nach seiner Versetzung in den Ruhestand. Die persönlichen Kontakte wurden zwar zwangsläufig etwas weniger, aber es gab sie noch. Trafen wir uns zufällig irgendwo, war es so herzlich wie immer. Zuletzt blieben noch die Kontakte über die sozialen Medien. Man erkundigte sich gegenseitig über das werte Befinden und gratulierte sich zu den Geburtstagen. Nun ist auch das vorbei.
Lieber Wolfgang, auch ohne diese unmittelbaren Kontakte, auch ohne Trauerfeier bleibst die für mich unvergessen. Wir waren nicht immer einer Meinung, aber eine kollegiale Freundschaft hält das locker aus. Die gemeinsam verbrachten Zeiten, die gemeinsamen Erlebnisse, Deine Fröhlichkeit und Dein Menschsein werden mir stets in Erinnerung bleiben.
Du hattest, nicht zuletzt berufsbedingt, immer ein besonderes Verhältnis zum Tod.
In einem Altenheim zu sterben war nie eine Option für Dich. Andererseits wusstest Du, was es bedeutet, allein auf einem großen Grundstück zu leben und dort irgendwann, vielleicht von der Außenwelt unbemerkt, zu sterben. Du hattest es in Deinem Berufsleben oft genug zu sehen bekommen. Und deshalb passt Deine Entscheidung für diese Art des Abschieds zu Dir.
Vielleicht ist es Deinen Angehörigen und engen Freunden ein kleiner Trost zu wissen, dass sie mit ihrer Trauer nicht allein sind.
Mögest Du Deine Ruhe und Deinen Frieden finden.
Dein Kollege, Kamerad und Freund
Thomas Soszynski

