
Der Buchtipp von Christine Bose, Dipl.-Journalistin
Anekdoten und Verwandtes aus der DDR-Kulturwelt
„Na ja, der Sozialismus – schön und gut, aber muss er ausgerechnet an uns ausprobiert werden?“ Diese kritische Frage eines Arbeiters aus dem Jahr 1981 hat der Autor an den Anfang seines Buches gestellt.
Und dann folgen ganz viele Anekdoten aus dem DDR-Alltag, konkret aus der „Kulturwelt“, über die gewiss so manche Leserin, so mancher Leser, sich erinnernd, wissend lächeln wird.
Motto: Ja, so komisch, mitunter haarsträubend, war das damals. Fakten, die sicher zumindest für die Betroffenen ein großes Ärgernis waren, reizen am Ende heute einfach nur noch zum Lachen oder zum Kopfschütteln über Ereignisse im nicht mehr existierenden Staat, über Erlebnisse von Kulturschaffenden.
Für die später Geborenen dürfte das Buch ein ganz besonderer Ausflug in die Vergangenheit sein. Geblickt wird ebenso auf die Nachwendezeit. Alle, die es in die Hand nehmen, werden ihre persönlichen Favoriten finden auf einer Skala von „Na klar, das ist so gewesen“ über „Nicht zu fassen“ bis hin zu „Einen solchen Einblick in das Leben von Prominenten im Osten Deutschlands gab es noch nie“.
Aus der Vielfalt hier nur zwei Beispiele: Da erhielt ein Redakteur der „Leipziger Volkszeitung“ die Kündigung, obwohl eigentlich gar nicht nachzuvollziehen war, ob er diesen in der Tat schwerwiegenden Fehler wissentlich verursacht hatte.
Aus der ursprünglichen Formulierung „rechtmäßige DDR-Regierung“ war, warum auch immer, nach dem Veröffentlichen des Textes die „recht mäßige DDR-Regierung“ geworden.
Warum „Deckweiß für alle“ gefordert wurde und von wem, ist unter dem Titel „Für eine besonders begehrte Pigment-Verbindung“ zu erfahren. Mitglieder des Verbandes Bildender Künstler der DDR konnten in speziellen Geschäften „Künstlerbedarf“ erwerben, wozu auch gute Farben zählten.
Amateure bekamen hier nichts. Ein aufgebrachter Bürger, ein Hobby-Künstler, nicht zu den Privilegierten gehörend, machte im Herbst 1989 seinem Ärger darüber ordentlich Luft. Sein Plakat, mit dem er auf die Straße ging, forderte „Deckweiß für alle!“

