
Rund 150 Karnevalistinnen und Karnevalisten aus dem gesamten Eichsfeld füllten am Mittwoch, 7. Januar, die Bonifatiuskirche in Leinefelde, um gemeinsam einen Gottesdienst der besonderen Art zu feiern. Vor 16 Jahren hatte der damalige Kaplan Markus Könen die Karnevalistenmesse ins Leben gerufen, um für die anstehende Session den Segen Gottes für die Vereine zu erbitten.

Kaplan Lukas Hennecke griff diese Tradition auf und betonte zu Beginn des Gottesdienstes, Karneval sei nicht bloß „Jux und Tollerei“. Indem der Fasching die gewohnten Ordnungen auf den Kopf stelle, erinnere er an das Himmelreich, das wir von Gott erwarten.
Diese Verbindung von Glauben und Frohsinn kam in zahlreichen Gottesdienstelementen zum Ausdruck. So wurde das Kyrie – gestaltet vom Vorsitzenden des Landesverbandes Thüringer Karnevalsvereine, Christoph Matthes und Zoey Matthes, mit einer „Rakete“ symbolisch in den Himmel geschickt.
Die Mitfeiernden konnten ihre persönlichen Fürbitten per Smartphone an die Leinwand und vor Gott tragen. Zur Gabenbereitung wurden alle Narren eingeladen, nach vorn zu kommen und ihre Narrenkappen vor dem Altar abzulegen. „Vor Gott dürfen wir alle Verkleidungen ablegen“, betonte Kaplan Hennecke.
Eine Tanzgruppe aus Beuren machte die Freude am Glauben tänzerisch sichtbar. Zum Friedensgruß wurde schließlich die Stille zum Ausdrucksmittel: Die Mitfeiernden verneigten sich schweigend voreinander und wünschten sich so den Frieden. Musikalisch sorgte Organist Thomas Fuhlrott für eine eindrucksvolle Mischung aus Stimmung und Andacht. Mitreißend erklang „Viva Colonia“, das kräftig mitgesungen wurde, ebenso wie „Großer Gott, wir loben dich“, das die spirituelle Dimension des Abends unterstrich.
In seiner Predigt wählte Kaplan Hennecke die Reimform und griff dabei Themen aus Kirche und Region auf. So sprach er unter anderem kritisch über das Dingelstädter „KirmesOpening“, das in diesem Jahr in die Fastenzeit verlegt wurde; humorvoll über die am Fronleichnamstag fortgesetzten Bauarbeiten auf dem katholischen Schulcampus in Leinefelde und nachdenklich über die zahlreichen Kirchenaustritte sowie die Sparmaßnahmen im Bistum Erfurt. Er rief dazu auf, im Karneval auch christliche Botschaften zu verkünden, um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken.
Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie eng Lebensfreude und Glaube verbunden sein können.

